Auch wenn Hollywood daran zugrunde gehen scheint (oder zumindest so tut), die freie Abgabe von Filmen kann unter bestimmten Bedingungen zu einem Geschäftsmodell werden. Was im Software-Bereich bei der Open-Source-Software schon seit langem üblich ist, nämlich das Geldverdienen auf Basis von Inhalten, die jeder kopieren und modifizieren kann, könnte auch im Filmbereich funktionieren. Alles was dafür benötigt wird, sind angepasste Geschäftsmodelle. Dies könnte sich insbesondere für Independent-Filmer als eine interessante Alternative herausstellen.
Tim Baumann hat in seiner Diplomarbeit zu Open-Source-Film Geschäftsmodellen diese Erlösstrategien untersucht. Einige davon sind:
- Merchandisingartikel. Freie Inhalte verbreiten sich schneller und weiter, als proprietäre Inhalte. Dies gilt auf jeden Fall dann, wenn es keine groß angelegten Marketingkampagnen gibt. ‘StarWreck’ ein gutes Beispiel dafür, dass der Film selbst umsonst erhältlich ist jedoch ein substantieller Teil des Umsatzes mit dem Verkauf vom Becher bis zum T-Shirt gemacht werden kann
- Verkauf von aufgewerteten Sondereditionen, wie man das schon von alten CDs kennt, die plötzlich mit Sammelposter, alternativem Soundtrack oder Bonustracks neu aufgelegt werden. Oftmals bietet schon allein eine professionelle DVD Verpackung genug Anreiz für den Kauf eines geliebten Filmes.
- Product-Placement.
- Versioning: im Internet gibt es die normale Qualität umsonst, auf einer Blu-ray Disc bekommt man dann den Film in hoher Auflösung und z.B. Dolby Digital
- Crowd-financing: hier helfen die Fans mit, einen Film zu realisieren, in dem sie sich an den Produktionskosten beteiligen.
Bisher gibt es nur wenige Filme und Indie-Labels, die mit diesen neuen Geschäftsmodellen experimentieren, bzw. einige von ihnen schon erfolgreich realisiert haben. Daher gibt es einfach noch zu wenige Erfahrungswerte bezüglich der Vermarktung freier Inhalte. Überzeugendstes Beispiel sind bisher Energia Productions mit ihrem Film Star Wreck: In the Pirkinning, den wir auch auf unserer CC-Filmseite gelistet haben.







Interessante Sichtweise, Open-Source-Filme mit Open-Source-Software zu vergleichen.
Sich eine funktionierende und auch noch aktive Community um einen Independent-Film aufzubauen, dürfte schwierig werden. “Star Wreck” macht es allerdings vor, wie man bestehende Communities sozusagen entführen könnte.
Ich denke aber, dass wirtschaftlich rentable Filme im Independent-Bereich über diese Vorgehensweise eher eine große Ausnahme bleiben werden.
Die Wertschöpfung von open-source im Softwarebereich lässt sich wohl wirklich nicht auf den Filmbereich übertragen, weil die Vorraussetzungen ganz andere sind. Open-source Software kann von vielen für einen Produktivitätsgewinn eingesetzt werden, beim Film tendentiell immer nur der Initiator/Urheber.
Abgesehen davon hoffe ich, daß der open-source Gedanke zu einer grundsätzlichen Öffnung von Filmschaffenden gegenüber Erlösmodellen ausserhalb von Kino- und Fernsehenfinanzierung führt.