BarCamps sind vor allem aus der tech-Szene bekannt und bestehen aus offenen Vorträgen und Diskussionsrunden. Die Inhalte werden zum Beginn der Veranstaltung mittels Whiteboards durch die Teilnehmer selbst koordiniert, die auch eingeladen sind, einen Vortrag zu halten. Das Motto: keine Zuhörer, nur Teilnehmer! Durch diese interaktive Konferenzmethode entsteht eine sehr praxisbezogene Themenvielfalt mit einem hohen Networking-Faktor.
Auch wenn Hollywood daran zugrunde gehen scheint (oder zumindest so tut), die freie Abgabe von Filmen kann unter bestimmten Bedingungen zu einem Geschäftsmodell werden. Was im Software-Bereich bei der Open-Source-Software schon seit langem üblich ist, nämlich das Geldverdienen auf Basis von Inhalten, die jeder kopieren und modifizieren kann, könnte auch im Filmbereich funktionieren. Alles was dafür benötigt wird, sind angepasste Geschäftsmodelle. Dies könnte sich insbesondere für Independent-Filmer als eine interessante Alternative herausstellen.
Merchandisingartikel. Freie Inhalte verbreiten sich schneller und weiter, als proprietäre Inhalte. Dies gilt auf jeden Fall dann, wenn es keine groß angelegten Marketingkampagnen gibt. ‘StarWreck’ ein gutes Beispiel dafür, dass der Film selbst umsonst erhältlich ist jedoch ein substantieller Teil des Umsatzes mit dem Verkauf vom Becher bis zum T-Shirt gemacht werden kann
Verkauf von aufgewerteten Sondereditionen, wie man das schon von alten CDs kennt, die plötzlich mit Sammelposter, alternativem Soundtrack oder Bonustracks neu aufgelegt werden. Oftmals bietet schon allein eine professionelle DVD Verpackung genug Anreiz für den Kauf eines geliebten Filmes.
Product-Placement.
Versioning: im Internet gibt es die normale Qualität umsonst, auf einer Blu-ray Disc bekommt man dann den Film in hoher Auflösung und z.B. Dolby Digital
Crowd-financing: hier helfen die Fans mit, einen Film zu realisieren, in dem sie sich an den Produktionskosten beteiligen.
Bisher gibt es nur wenige Filme und Indie-Labels, die mit diesen neuen Geschäftsmodellen experimentieren, bzw. einige von ihnen schon erfolgreich realisiert haben. Daher gibt es einfach noch zu wenige Erfahrungswerte bezüglich der Vermarktung freier Inhalte. Überzeugendstes Beispiel sind bisher Energia Productions mit ihrem Film Star Wreck: In the Pirkinning, den wir auch auf unserer CC-Filmseite gelistet haben.
Open-Source-Film? Der Begriff Open-Source ist ja eigentlich aus der Softwarewelt bekannt, kann aber auch auf die Filmwelt übertragen werden. Wie im Softwarebereich so gilt auch im Filmbereich: die Quellen müssen zugänglich sein und die Lizenzen nicht nur das Ändern erlauben (rip, mix, burn), sondern auch die Weiterverwendung zu kommerziellen zwecken. Zudem sollte das Material in einer Form vorliegen, die eine freie Bearbeitung zulässt. Dies kann zum Beispiel durch die Verwendung eines freien Videoformates erreicht werden, damit die Quelldateien auch für jedermann editierbar sind.
Wer es genau wissen will, findet hier eine detailierte Definition davon, was erfüllt sein muss, damit man von einem Open-Source-Film sprechen kann.
Nach dem Erfolg von `Star Wreck: in the Pirkinning´, der nur durch die Community von über 3000 Fans und Helfern zum Erfolg wurde, hat Regisseur Timo Vuorensola diese Erfahrungen in eine online Plattform gesteckt, mit der nun jeder eine Community um sein Filmprojekt bauen kann: wreckamovie.com.
wreckamovie ist ein Tool, daß man nutzen kann, Filmbegeisterte für sein eigenes Projekt zu gewinnen und so eine Community um ein Thema zu bauen, daß einem filmisch am Herz liegt (zugegeben, zur Zeit liegt den meisten Communitymitgliedern wohl SciFi am Herzen, aber die ersten Dokumentarprojekte sind gesichtet).
Peter Broderick kommt aus der Filmindustrie und hat sich insbesondere einen Namen in der Independent Szene gemacht. Mit Paradigm Consulting ist er darauf spezialisiert anderen Filmemachern beratend zur Seite zu stehen. Im Zeitalter des web 2.0 haben sich viele neue Möglichkeiten für die Vermarktung von Filmen ergeben. Auf seiner Website zeigt Broderick viele davon auf. Zur Website geht es hier
Creative Commons wurde 2001 in den USA als gemeinnützige Gesellschaft gegründet um den traditionellen, restriktiven Urheberrechts-Lizenzen etwas entgegen zu setzen.CC-Lizenzen können für jedes digitale Werk individuell aus einem bestehenden, einfachen Lizenz-Katalog bestimmt werden. Gründe sein Werk über CC zu verbreiten gibt es viele, z.B. die Möglichkeit zur größeren Verbreitung des eigenen Werks. - share, reuse, remix - Mehr Infos zu Creative Commons hier
Obwohl noch relativ jung und unbekannt, gibt es mittlerweile einige Beispiele für open-source Projekte im Filmbereich. Die Spannbreite reicht dabei von reinen Experimentalfilmen über Animations- und Dokumentarfilmen, bis hin zu kommerziell erfolgreichen Spielfilmen. Wir haben die Definition von open-source und creative commons mal nicht soo genau genommen und hier eine Auswahl von Projekten zusammengestellt, die man diesem `Genre´ zuordnen kann:
Abgeschlossene Projekte
Oceania (2008) ist der Erstlingfilms eines 17-jährigen Kaliforniers, realisiert für 4.000 US-Dollar. Der Kurzfilm war in erster Linie als Studienobjekt und Lehrstück von Regisseur Harry Dehal gedacht, brachte es aber unter einer Creatrive Commons(CC)-Lizenz zu einer größeren Zuschauerschaft.
Sita sings the Blues (2008) ist ein Animationslangfilm der US-Amerikansichen Künstlering Nina Paley. Veröffentlich unter der offensten aller CC-Lizenzen (theoretisch kann jeder diesen Film brennen und legal auf CD verkaufen) konnte Nina über eigene DVD-Verkäufe, Spenden und Festivalauftritte ihre Arbeit finanzieren.
Big Buck Bunny (2008) ist das zweite Projekt der Blender Stiftung nach Elephants Dream. Auch hier handelt es sich um einen animierten Kurzfilm, der auf der open-source Blendersoftware realsiert wurde.
Torno Subito (2007) ist eine italienische Spielfilmproduktion in HD, die erste unter einer CC-Lizenz.
Insecurity (2007) ist ein australisches Spielfilmprojekt aus der Tech-Szene. Realisiert in vier Tagen wurde der Filmzwei Monate lang editiert und ist nun entweder als kostenloser Download verfügbar und kann als DVD direkt gekauft werden.
Elephants Dream (2006) ist ein animierter, experimenteller Kurzfilm, der auf der open-source Software Blender animiert wurde.
Boy who never slept (2006) wurde von einem US-amerikanischen Studenten Solomon Rothman für weniger als 200 US-Dollar realisiert.
Cactuses (2006) wurde als hands-on-Lernprojekt an einer Kalifornischen Kunstschule initiiert und anschließend über das Internet frei vertrieben.
Star Wreck: In the Pirkinning (2005) ist eine finnische Parodie von Star Treck und eines der schönsten Beispiele für social filmmaking. Hergestellt in über sieben Jahre für ein Budget von 13.462 Euro wurde Star Wreck innerhalb von zwei Monaten ca. 2,9 Mio. Mal heruntergeladen, bis heute insgesamt über fünf Mio. Mal. In der Folge wurden die Fernsehrechte zu Star Wreck in viele Ländern verkauft. Damit haben die Filmemacher nach Aussage einer Quelle bisher insgesamt das ca. 20fache des Budgets an Umsätzen generieren können.
Dieser Erfolg ist nicht Glück gewesen, sondern Ergebnis der jahrelangen Arbeit, die die Filmemacher in den Aufbau einer Community gesteckt haben. So gelang es ihnen z.B., eine treue Fancommunity mit mehr als 3000 Mitgliedern aufzubauen, die nicht nur mithalfen, daß Projekt zu realisieren, sondern auch später beim Vertrieb dafür sorgten, daß über 10.000 DVDs gekauft wurden. Über Merchandising und Fernseherlöse konnte ebenfalls Geld eingespielt werden.
CH7 (2004) ist ein Schweizer Spielfilm. Als Kritik an der kommerziellen schweizer Medienlandschaft wurde dieser Film konsequenterweise durch ehrenamtliche Arbeit hergestellt und jetzt unter einer CC-Lizenz vertrieben.
Route 66(2004) entstand als erster deutscher Dokumentarfilmunter CC-Lizenz. Realisiert von drei Freunden für ca. 40.000 Euro wurde der Film über eine Million mal heruntergeladen und hat sich für die Macher über Spenden rentiert. Route 66 ist der erste Film, dessen Quellen frei verfügbar sind und auch verändert werden dürfen.
Dancing to Architecture(2002): Der erste open-source Film überhaupt entstand im Rahmen des “This is not Art”-Festivals, das einmal jährlich in Newcastle (Australien) stattfindet. Der Film ist eher ein Stück Videokunst als eine Dokumentation des Festivals.
Projekte in Arbeit:
Valkaama ist eine deutsch-polnische-Koproduktion, die als open-source Projekt im besten Sinne zu verstehen ist: der Film ist zur Zeit in noch nicht fertig, wird aber als mit einer Beta-Version gelistet. Wer interesse hat, kann an der weiteren Verfeinerung mitarbeiten.
Die letzte Droge ist nach Route 66 das zweite Langfilmprojekt des Netlabels VEB Film Leipzig, was sich noch in der crowd-funding Phase befindet.
Jahtia´s Wager ist ein Science-Fiction Project, das sich noch in der Entwicklung befindet. Über ein Wiki ist jeder aufgefordert, die Charaktere und die Backstory für diese Serie mitzuentwickeln.
Stray Cinema (2006) ist mehr eine Plattform als ein abgeschlossener Film. Von zwei Spaniern aufgesetzt, bietet die Plattform Material an, das von den Nutzern frei editiert und zurück auf die Seite geladen werden kann. Ziel ist es, mit einer Community Filme herzustellen, diese untereinander zu bewerten und schließlich in einem Kino zu zeigen. Für 2011 haben sich die Filmemacher das Ziel gesetzt, David Lynch als Regisseur zu gewinnen.
Immer wieder sehenswert: Don Tapscotts Vortrag zur Zukunft des Films bei den Berlinale Keynotes 2008
Mehr über Don Tapscott könnt ihr auf Wikipeda nachlesen. Oder informiert euch über Tapscotts Firma New Paradigm, die allerdings schon länger nicht mehr unabhängig und aktuell Teil von nGenera geworden ist.